"So,
wie der Musiker Bilder durch Musik hörbar macht,
so sollte der Maler auch Musik in Bildern sichtbar machen.
Klangbilder als sichtbar gewordene Musik."
H.W. Knorr |
| Klangbilder
- Synästhesie und ihre bildgestalterischen Möglichkeiten
Eine Einführung in die Grundlagen
und gestalterischen Prozesse der musikalischen Malerei.
Um einen kleinen Eindruck aus dem riesigen Gebiet der Synästhesie,
speziell der musikalischen Graphik und Malerei zu gewinnen, sind
einige wesentliche Aspekte der Thematik zusammengestellt worden.
(Wegen
der Komplexität
der Thematik, ist nur ein kleiner Einblick gewählt worden,
der die enorme Vielfalt der Materie ein wenig umreißt.) |
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Immer
schon haben sich Künstler damit auseinander gesetzt, Musik
- Klang durch Bilder - Farben und Formen sichtbar zu machen. Schon
Goethe sagte: „... was mit dem Ohr gehört wird, für
das Auge sichtbar zu machen,...“
Besonders Kandinsky befasste sich theoretisch, künstlerisch
und malerisch mit der Thematik. Aber auch andere Künstler haben
ebenfalls den Drang verspürt, Musik künstlerich zu verbildlichen.
Dass Musik Gefühlsinhalte auslöst und Bilder anregt, ist
eine allgemeingültige Erfahrung. Dass daraus auch hoch interessante
Bildideen zeichnerisch und malerisch gestaltbar sind, ist ein Ereignis
und Erlebnis, das alle kreativen Menschen ansprechen sollte. .... |
| Was
ist Synästhesie - musikalische Graphik
Kommend aus dem Griechischen: synaisthesis (was soviel bedeutet
wie, zugleich empfinden), kennzeichnet es die Wahrnehmung von zwei
oder mehreren unterschiedlichen Sinneseindrücken, wie z.B.
die Verknüpfung von Gehör- und Sehsinn, Geruchs- und Tastsinn,
oder auch Sehen, Riechen und Schmecken zugleich, usw.
Speziell wurde der Begriff erst im 19. Jahrhundert vom Psychologen
Alfred Vulpion (1864 - ) geprägt.
Schon in der Dichtung Vergils (70-19 v. Chr.), vor allem bekannt
durch sein Epos „Die Âeneis“ aber auch in der
Renaissance, im Barock und in der Romantik fand die Synästhesie
schon Verwendung. Im Symbolismus bis zur Moderne hat die Reizverschmelzung
Anklang gefunden und ist heute eine nicht mehr wegzudenkende Bewusstseinswahrnehmung,
deren wissenschaftlichen, kausalen Zusammenhänge untersucht
werden.
Die typischste Art der synästhetischen Wahrnehmung ist die
Audio-Vision, das „Farben-Hören“ oder auch das
„Klang-Bilder-Sehen“. Besonders in der bildenden Kunst
hat sie einen eigenen Stellenwert eingenommen. Nach Kandinsky ist
die Melodie in der Malerei im wesentlichen eine Sache der Linie. |
Initiator
der methodischen musikalischen Graphik ist der 1880 in Wien geborene
Kunstpädagoge und Maler Oskar Rainer. Er untersuchte
die Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten der künstlerischen
Aussagen in der Einheit von Farb- und Musikempfindung. Durch seine
Grundlagenforschung begründete er die musikalische Graphik
mit seinen kunsterzieherischen Prinzipien musikalischen Erlebens
und bild-künstlerischer Formgebung.
Sein Werk entwickelten Dr. Hans Sündermann und Prof. Berta
Ernst nach dem Tod von Oskar Rainer 1941 im Institut für Musikalische
Graphik (Wien) systematisch weiter.
Mittlerweile hat sie alle Lebensbereiche auf eine besondere Art
und Weise erfasst und wird sehr zielbewusst in Film, Theater, Kunst,
Werbung usw. eingesetzt. Genau genommen ist sie ein natürlicher
Vorgang, ohne den bewusstes Leben kaum denkbar wäre und täglich
nehmen wir die Vielfalt des Lebens synästhetisch wahr. Sowohl
für Musiker, Bildende Künstler, Dichter, Kunsterzieher,
Pädagogen, Musik- und Kunsttherapeuten als auch für alle,
die für musikalische Graphik empfänglich sind, ist die
Auseinandersetzung mit der Materie eine nicht mehr wegzudenkende
vergleichende Kunstbetrachtung mit hohem Stellenwert. |
Warum Synästhesie - musikalische Graphik?
In der synästhetischen Forschung ist das Bemühen vorhanden,
die vielfältigen, schöpferischen Kräfte der menschlichen
Entwicklung durch Systematik und wissenschaftliche Methode bewusst
zu machen und zu fördern. Nach Oskar Rainer leistet die musikalische
Graphik einen wesentlichen Beitrag zum Ausdruck der schöpferischen
Kräfte und ihrer Interaktionen und ist eine interdisziplinäre
Kunsterziehung, die eine verbindende und ausgleichende Bildungsfunktion
der sinnlichen Wahrnehmung erfüllt.
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Sie dient der Bewusstwerdung der
kreativen und gestalterischen Kräfte.
Sie díent in der Kunst- und Musikerziehung auch als Therapie
des Gestaltens.
Sie unterstützt und aktiviert die Selbstheilungskräfte
im Menschen.
Sie sensibilisiert und erzieht die Sinne und lehrt über die
Sinneswahrnehmung das Wesentliche zu erlernen und zu erkennen. |

"Musik I"
Acryl - 80x60 - 2000
A. Knorr-Kleine |
Empfundene,
assoziative Synästhesie
Sie ist die einfachste und leider auch oft falsch angewandte Art musikalische Malerei darzustellen. Es reicht nicht aus, nur seinen Instinkten und den Bewegungen der Musik zu folgen. Um gute Ergebnisse zu erzielen, bedarf es gewisser Grundkenntnisse und Erfahrungen.
Sie beschreibt auf Grund gefühlter und erinnerter Erlebnisse
die unterschiedlichen Reizwahrnehmungen. Die erfahrenen Reize werden
in Farben, Bildern, Lauten und Klängen direkt zum Ausdruck
gebracht. Instinkt, Gefühl und Fantasie sind hierbei die vorrangig
gestalterisch anregenden Kräfte. Kenntnisse kognitiver und
analytischer Art sind notwendig, spielen aber hierbei nur eine untergeordnete Rolle.
(Die
nebenstehenden Bildbeispiele sind nach J.S. Bach - Präludium
und Fuge Es-dur assoziativ gemalt worden.) |

"Musik II"
Acryl - 80x60 -
2000
A. Knorr-Kleine |
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Gestalterische
(kreative) Synästhesie
Sie beinhaltet sowohl erkenntnisbezogenes Wissen als auch Erfahrungswissen,
um es in gestalterische Prozesse einzubinden, aus denen dann kreative
Ausdrucksarten entwickelt werden. Der Vorgang ist hierbei kenntnis-
und erfahrungs-orientiert.
Vor allem in der künstlerischen Gestaltung, der Verschmelzung
von Hören und Sehen - Klang und Bild - der Audiovision, ist
die musikalische Graphik und ihre methodische Anwendung sehr hilfreich,
um Klang-Bilder des Geistes, der Seele, der Gefühle, der Phantasie
und Ideen zum Ausdruck zu bringen. |


Entwurfsskizze zur Bach-Kantate BWV 80
(gestalterische Synästhesie)
H.W. Knorr-2004
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Kognitive
(mentale) Synästhesie
Sie befasst sich mit den vielfältigen Zusammenhängen der
Sinneswahrnehmungen (interdisziplinär) und ihren Ausdrucksmög-lichkeiten
im ganzheitlichen Sinne. Sie untersucht ihre spezifischen Merkmale.
Sie ist erkenntnisbezogen, analytisch und integral. Ihre Erkenntnisse
sind Material für die Umsetzung in synästhetische Gestaltungen
wie Bild, Ton, Sprache, Bewegung und andere Ausdrucksarten. |
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Waltraud Busch -
Acryl - 2004
(Assoziative
Synästhesie)
"Ase's Tod" aus: Peer Gynt von
Edvard Grieg
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Folgende
Bilder wurden uns freundlicherweise
von Schülern des Seminars "Musikalische Malerei" zur
Verfügung gestellt.
Dozent H.W. Knorr in der
Malakademie Kloster Steinfeld
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Renate Döbbelin -
Acryl - 2004
(Assoziative Synästhesie)
Ausschnitt aus dem Klavierkonzert B-moll
von Tschaikowsky
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Waltraud Busch -
Acryl - 2004
(Assoziative Synästhesie)
aus "Klänge der Stille" von H.W. Knorr
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